Pflege & Hygiene

Einmalhandschuhe in der Pflege: Anwendung, Auswahl und wichtige Hinweise

Einmalhandschuhe in der Pflege: Wann Sie sie brauchen, ob Nitril, Latex oder Vinyl die richtige Wahl ist, wie Sie die passende Größe finden und Handschuhe richtig an- und ausziehen.

Axel WolskiFachberatung hysana Aktualisiert am 30. September 2026 ca. 6 Min. Lesezeit
Ratgeber: Einmalhandschuhe in der Pflege – Anwendung, Auswahl und Hinweise, mit Axel Wolski

Einmalhandschuhe in der Pflege gehören zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen im Alltag pflegender Angehöriger: Sie verhindern, dass Keime über die Hände übertragen werden, und schützen vor dem Kontakt mit Körperflüssigkeiten. Damit sie wirklich schützen, kommt es auf das richtige Material, die passende Größe und den richtigen Umgang an. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wann Handschuhe nötig sind, worin sich Latex, Nitril und Vinyl unterscheiden und wie Sie Handschuhe richtig an- und ausziehen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Einmalhandschuhe schützen bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten, bei der Intimpflege und bei Wunden.
  • Nitril ist für die meisten Aufgaben die beste Wahl: reißfest und latexfrei.
  • Die Größe richtet sich nach dem Handumfang. Zu enge Handschuhe reißen, zu weite rutschen.
  • Handschuhe nach jeder Tätigkeit wechseln und danach die Hände desinfizieren.
  • Die Pflegekasse übernimmt Einmalhandschuhe als Pflegehilfsmittel, bis zu 42 € im Monat.

Wann sind Einmalhandschuhe nötig?

Nicht jede pflegerische Tätigkeit erfordert Handschuhe. Beim Anziehen, beim Begleiten zum Tisch oder beim Eincremen gesunder Haut reicht in der Regel die Händedesinfektion. Einmalhandschuhe sind dagegen sinnvoll, sobald Sie mit Körperflüssigkeiten, Schleimhäuten oder verletzter Haut in Kontakt kommen könnten:

  • Intimpflege und Hilfe beim Toilettengang
  • Wechsel von Inkontinenzprodukten und Bettschutzeinlagen
  • Wundversorgung und Verbandswechsel
  • Mundpflege und Zahnprothesenreinigung
  • Umgang mit Erbrochenem, Urin oder Stuhl
  • Reinigen und Desinfizieren von Toilettenstuhl, Bettpfanne oder Urinflasche
  • Umgang mit verschmutzter Wäsche
  • Auftragen von Salben und Medikamenten auf die Haut

Handschuhe schützen dabei in beide Richtungen: Sie selbst vor Keimen der pflegebedürftigen Person und umgekehrt die pflegebedürftige Person vor Keimen von Ihren Händen. Mehr zu Händedesinfektion, Flächen und Schutzkleidung lesen Sie im Beitrag Hygiene bei der Pflege zu Hause.

Latex, Nitril oder Vinyl?

Einmalhandschuhe gibt es aus drei Materialien. Jedes hat Stärken und Schwächen:

NitrilLatexVinyl
Materialsynthetischer KautschukNaturkautschukPVC (Kunststoff)
Reißfestigkeitsehr hochhochgering
Passform und Tastgefühlgutsehr gut, sehr elastischeher locker
Allergierisikosehr gering, latexfreimöglich (Latexallergie)sehr gering, latexfrei
Beständig gegen Desinfektionsmittelgutmittelgering
Geeignet fürfast alle Pflegetätigkeiten, Wundversorgung, IntimpflegeTätigkeiten mit viel Fingerspitzengefühl, wenn keine Allergie bestehtkurze, einfache Tätigkeiten mit geringem Risiko, etwa Essenreichen

Unsere Empfehlung: Für die häusliche Pflege sind Nitrilhandschuhe in den meisten Fällen die beste Wahl. Sie sind robust, schützen zuverlässig und lösen praktisch keine Allergien aus. Achten Sie außerdem darauf, dass die Handschuhe puderfrei sind und als medizinische Handschuhe nach der Norm EN 455 geprüft wurden. Das steht auf der Verpackung.

Besteht bei Ihnen oder der pflegebedürftigen Person eine Latexallergie, verzichten Sie ganz auf Latexhandschuhe. Anzeichen können Rötungen, Juckreiz oder Quaddeln an den Händen sein.

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Die richtige Größe finden

Ein Handschuh sollte eng anliegen, ohne einzuschnüren. Zu kleine Handschuhe reißen leicht und lassen die Hände schwitzen, zu große rutschen, bilden Falten und erschweren das Greifen. So ermitteln Sie Ihre Größe:

  1. Maßband nehmen und den Umfang Ihrer Hand an der breitesten Stelle messen, also unterhalb der Fingerknöchel, ohne den Daumen.
  2. Mit der Tabelle vergleichen und die passende Größe ablesen.
  3. Im Zweifel ausprobieren: Liegen Sie zwischen zwei Größen, wählen Sie bei Nitril eher die größere, bei Latex eher die kleinere, denn Latex dehnt sich stärker.
GrößeHandumfang (Richtwert)
Sca. 16 bis 18 cm
Mca. 18 bis 20 cm
Lca. 20 bis 23 cm
XLca. 23 bis 25 cm

Die Maße unterscheiden sich je nach Hersteller etwas. Pflegen mehrere Personen, etwa Angehörige und ein Pflegedienst, lohnt es sich, Handschuhe in unterschiedlichen Größen vorrätig zu haben.

Handschuhe richtig an- und ausziehen

Anziehen:

  1. Ringe und Armbanduhr ablegen.
  2. Hände desinfizieren und vollständig trocknen lassen. Auf feuchten Händen lassen sich Handschuhe schlecht anziehen.
  3. Den Handschuh am Bund fassen und über die Hand ziehen, ohne die Fingerspitzen zu berühren. Auf Risse achten.

Ausziehen, ohne die Außenseite zu berühren:

  1. Den ersten Handschuh außen am Handgelenk greifen und nach vorn abziehen, sodass er sich umstülpt.
  2. Den ausgezogenen Handschuh in der noch behandschuhten Hand festhalten.
  3. Mit zwei Fingern der freien Hand innen unter den Bund des zweiten Handschuhs fahren und ihn über den ersten stülpen.
  4. Beide Handschuhe in einen Müllbeutel werfen und die Hände desinfizieren.

Die häufigsten Fehler vermeiden

  • Ein Paar für alles: Wechseln Sie die Handschuhe nach jeder Tätigkeit, zum Beispiel zwischen Intimpflege und Gesichtspflege.
  • Handschuhe statt Desinfektion: Handschuhe haben oft winzige, unsichtbare Löcher. Die Händedesinfektion nach dem Ausziehen ist deshalb Pflicht.
  • Mit Handschuhen durch die Wohnung: Türklinken, Handy oder Kühlschrank bitte nicht mit benutzten Handschuhen anfassen.
  • Handschuhe wiederverwenden: Einmalhandschuhe dürfen nicht gewaschen, desinfiziert oder erneut getragen werden.
  • Falsch lagern: Lagern Sie Handschuhe kühl, trocken und vor Sonnenlicht geschützt, sonst wird das Material spröde.

Einmalhandschuhe über die Pflegekasse

Einmalhandschuhe gehören zu den Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch. Die Pflegekasse übernimmt sie zusammen mit Desinfektionsmitteln, Bettschutzeinlagen und weiteren Produkten bis zu 42 € im Monat, ohne Zuzahlung und ohne Rezept. Voraussetzung sind ein Pflegegrad ab 1 und die Pflege zu Hause. Welche weiteren Produkte zur Grundausstattung gehören, zeigt unser Beitrag Pflege zu Hause: Diese Pflegehilfsmittel können den Alltag erleichtern.

Wir übernehmen den Antrag für Sie: Wenn Sie sich für eine Pflegebox von hysana entscheiden, stellen wir den Antrag bei Ihrer Pflegekasse und liefern Ihre Einmalhandschuhe in der passenden Größe jeden Monat nach Hause. Material und Größe können Sie jederzeit ändern. Wie es funktioniert, lesen Sie unter Pflegebox beantragen.

Häufige Fragen

Welche Einmalhandschuhe sind für die Pflege am besten?

Für die meisten Tätigkeiten Nitrilhandschuhe: Sie sind reißfest, latexfrei und beständig gegen Desinfektionsmittel. Wichtig ist, dass sie puderfrei sind und als medizinische Handschuhe nach EN 455 geprüft wurden.

Wie oft sollte ich die Handschuhe wechseln?

Nach jeder Tätigkeit und immer dann, wenn der Handschuh beschädigt oder stark verschmutzt ist. Bei längeren Tätigkeiten spätestens, wenn Sie zu einer anderen Körperregion wechseln.

Muss ich nach dem Tragen von Handschuhen die Hände desinfizieren?

Ja. Handschuhe können winzige Löcher haben, und beim Ausziehen können Keime auf die Haut gelangen. Deshalb nach dem Ausziehen immer die Hände desinfizieren.

Was tun bei einer Latexallergie?

Verwenden Sie ausschließlich latexfreie Handschuhe aus Nitril oder Vinyl. Das gilt auch, wenn die pflegebedürftige Person allergisch reagiert. Bei Hautreaktionen sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Wie viele Einmalhandschuhe brauche ich im Monat?

Das hängt vom Pflegebedarf ab. Wer täglich bei der Körperpflege und beim Toilettengang hilft, braucht schnell mehrere Paare am Tag. Eine Packung mit 100 Stück reicht dann oft nur wenige Wochen. In Ihrer Pflegebox können Sie die Menge an Ihren Bedarf anpassen.

Zahlt die Pflegekasse Einmalhandschuhe?

Ja. Einmalhandschuhe sind Pflegehilfsmittel zum Verbrauch. Die Pflegekasse übernimmt sie ab Pflegegrad 1 im Rahmen von bis zu 42 € im Monat.

Stand: September 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder pflegefachliche Beratung.

Axel Wolski
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