Gute Hygiene bei der Pflege zu Hause schützt beide Seiten: die pflegebedürftige Person, deren Abwehrkräfte oft geschwächt sind, und die Angehörigen, die täglich eng mit ihr in Kontakt sind. Dafür braucht es keine Klinikstandards, sondern ein paar einfache Regeln und die richtigen Produkte. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Hände und Flächen richtig desinfizieren, wann Handschuhe, Schürzen und Masken sinnvoll sind und worauf Sie im Alltag achten sollten.
- Die Hände sind der häufigste Übertragungsweg für Keime. Desinfizieren Sie sie vor und nach jedem Pflegekontakt.
- Einmalhandschuhe ersetzen die Händedesinfektion nicht. Nach dem Ausziehen die Hände desinfizieren.
- Flächen im Pflegebereich lieber wischen als sprühen und die Einwirkzeit einhalten.
- Bei Infekten schützen Mundschutz oder FFP2-Maske und eine Schutzschürze.
- Die Pflegekasse zahlt für Desinfektionsmittel, Handschuhe und Co. bis zu 42 € im Monat, ab Pflegegrad 1.
Warum Hygiene in der Pflege wichtig ist
Ältere und pflegebedürftige Menschen haben häufig ein geschwächtes Immunsystem, Vorerkrankungen oder offene Hautstellen. Eine Erkältung, ein Magen-Darm-Infekt oder eine entzündete Wunde kann für sie deutlich gefährlicher sein als für Gesunde und schnell zu einem Krankenhausaufenthalt führen.
Gleichzeitig ist der Kontakt bei der Pflege sehr eng: beim Waschen, beim Toilettengang, bei der Wundversorgung oder beim Wechseln von Einlagen. Keime gelangen dabei leicht von Person zu Person, auf Flächen und von dort wieder auf die Hände. Gute Hygiene unterbricht diese Kette und schützt auch die pflegenden Angehörigen.
Wichtig: Im Haushalt reicht meist normale Sauberkeit. Desinfiziert wird gezielt dort, wo gepflegt wird, und in besonderen Situationen, etwa bei Infektionen, offenen Wunden oder Inkontinenz.
Händehygiene und Händedesinfektion
Die Hände sind das wichtigste Werkzeug in der Pflege und zugleich der häufigste Weg, über den Keime übertragen werden. Desinfizieren Sie Ihre Hände deshalb in diesen Momenten:
- vor dem Kontakt mit der pflegebedürftigen Person, zum Beispiel vor dem Waschen oder Anziehen
- vor Tätigkeiten wie Wundversorgung, dem Richten von Medikamenten oder dem Zubereiten von Essen
- nach dem Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Urin, Stuhl, Speichel oder Wundsekret
- nach dem Ausziehen der Einmalhandschuhe
- nach dem Kontakt mit Gegenständen im direkten Umfeld, etwa Bettwäsche oder Toilettenstuhl
So desinfizieren Sie richtig:
- Genug Mittel nehmen: etwa 3 bis 5 ml, so viel, dass die hohle Hand gefüllt ist.
- Gründlich verreiben: Handflächen, Handrücken, zwischen den Fingern, Daumen, Fingerkuppen und Nagelfalze.
- Einwirkzeit einhalten: mindestens 30 Sekunden, bis die Hände vollständig trocken sind.
Händewaschen oder desinfizieren? Sind die Hände sichtbar verschmutzt, waschen Sie sie zuerst mit Seife. Sonst ist die Desinfektion schonender für die Haut und wirksamer. Bei Magen-Darm-Infekten, etwa durch Noroviren, sollten Sie ein Mittel verwenden, das als „viruzid“ gekennzeichnet ist. „Begrenzt viruzid“ reicht zum Beispiel gegen Grippe- und Coronaviren.
Tipp für gesunde Haut: Legen Sie Ringe und Armbanduhr bei der Pflege ab, halten Sie die Fingernägel kurz und cremen Sie die Hände abends mit einer Pflegecreme ein. Rissige Haut ist ein Einfallstor für Keime.
Flächen richtig desinfizieren
Nicht jede Fläche in der Wohnung muss desinfiziert werden. Konzentrieren Sie sich auf den Pflegebereich und auf Stellen, die häufig mit den Händen oder mit Körperflüssigkeiten in Berührung kommen:
- Nachttisch, Bettgitter und Bedienteil des Pflegebetts
- Toilettenstuhl, Toilettensitz, Spültaste und Haltegriffe
- Waschschüssel und Ablageflächen für Pflegeutensilien
- Türgriffe und Lichtschalter im Pflegezimmer
Dabei gilt: Wischen statt sprühen. Beim Sprühen entsteht ein feiner Nebel, der eingeatmet werden kann, und die Fläche wird oft nicht vollständig benetzt. Besser sind Desinfektionstücher oder ein Tuch, auf das Sie das Mittel geben. Halten Sie die auf dem Produkt angegebene Einwirkzeit ein und lassen Sie die Fläche an der Luft trocknen. Grobe Verschmutzungen entfernen Sie vorher mit einem Einmaltuch.
Auch die Wäsche gehört zur Hygiene: Bettwäsche, Handtücher und Waschlappen der pflegebedürftigen Person wechseln Sie regelmäßig und waschen sie bei mindestens 60 °C mit einem Vollwaschmittel. Bei Infektionen empfiehlt sich, sie getrennt von der übrigen Wäsche zu waschen.
Schutzkleidung: Handschuhe, Schürzen, Masken
| Schutz | Wann? | Darauf achten |
|---|---|---|
| Einmalhandschuhe | bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten, Intimpflege, Wundversorgung, schmutziger Wäsche | für jede Tätigkeit ein neues Paar, nicht waschen oder desinfizieren und wiederverwenden |
| Schutzschürze | beim Waschen, Duschen, Wechseln von Einlagen, bei Erbrechen oder Durchfall | nach der Pflege ablegen, nicht in andere Räume mitnehmen |
| Mundschutz | wenn Sie selbst erkältet sind oder die gepflegte Person besonders geschützt werden muss | Mund und Nase bedecken, bei Durchfeuchtung wechseln |
| FFP2-Maske | bei Atemwegsinfekten wie Grippe oder Corona in der Pflegesituation | eng anliegend tragen, nach Herstellerangabe wechseln |
| Schutzservietten | beim Essenreichen | nach jeder Mahlzeit entsorgen |
Richtig ausziehen: Fassen Sie den ersten Handschuh außen am Handgelenk und ziehen Sie ihn umgestülpt ab. Halten Sie ihn in der behandschuhten Hand, fahren Sie mit zwei Fingern unter den Rand des zweiten Handschuhs und stülpen Sie ihn über den ersten. So berühren Sie die Außenseite nicht. Danach die Hände desinfizieren. Welche Handschuhe sich wofür eignen, lesen Sie im Beitrag Einmalhandschuhe in der Pflege: Anwendung, Auswahl und wichtige Hinweise.
Weitere Hygiene-Tipps für den Pflegealltag
- Bettschutzeinlagen nutzen: Sie schützen die Matratze und machen den Wechsel einfacher und hygienischer.
- Abfall richtig entsorgen: Benutzte Handschuhe, Einlagen und Tücher gehören in einen verschließbaren Beutel und dann in den Restmüll.
- Eigene Pflegeutensilien: Waschlappen, Handtücher, Zahnbürste und Rasierer nur für die pflegebedürftige Person verwenden.
- Regelmäßig lüften: Mehrmals täglich einige Minuten Stoßlüften senkt die Keimbelastung in der Raumluft.
- Lebensmittel sicher lagern: Reste abdecken und kühlen, Haltbarkeitsdaten im Blick behalten.
- Selbst gesund bleiben: Sind Sie krank, tragen Sie Maske oder lassen Sie sich vertreten, etwa über die Verhinderungspflege. Impfungen gegen Grippe und andere Infekte schützen beide Seiten.
Hygieneprodukte: Das übernimmt die Pflegekasse
Hände- und Flächendesinfektion, Einmalhandschuhe, Schutzschürzen, Mundschutz, FFP2-Masken, Schutzservietten und Bettschutzeinlagen zählen zu den Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch. Die Pflegekasse übernimmt dafür bis zu 42 € im Monat, ohne Zuzahlung und ohne Rezept. Voraussetzung sind ein Pflegegrad und die Pflege zu Hause.
Wir übernehmen den Antrag für Sie: Wenn Sie sich für eine Pflegebox von hysana entscheiden, stellen wir den Antrag bei Ihrer Pflegekasse und liefern Ihre Hygieneprodukte jeden Monat nach Hause. Wie es funktioniert, lesen Sie unter Pflegebox beantragen.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich mir bei der Pflege die Hände desinfizieren?
Vor und nach jedem engen Kontakt mit der pflegebedürftigen Person, nach dem Kontakt mit Körperflüssigkeiten und nach dem Ausziehen von Handschuhen. Im Pflegealltag kommt das mehrmals täglich vor.
Reicht Händewaschen statt Desinfektion?
Händewaschen entfernt Schmutz, tötet aber weniger Keime ab. Sind die Hände sichtbar verschmutzt, zuerst waschen. In allen anderen Fällen ist die Händedesinfektion wirksamer und hautschonender.
Muss ich bei der Pflege immer Handschuhe tragen?
Nein. Handschuhe sind sinnvoll bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten, bei der Intimpflege, bei Wunden und beim Umgang mit schmutziger Wäsche. Beim Anziehen oder Begleiten reicht in der Regel die Händedesinfektion.
Welches Desinfektionsmittel hilft gegen Noroviren?
Gegen Noroviren braucht es ein Mittel mit der Kennzeichnung „viruzid“. Mittel, die nur „begrenzt viruzid“ sind, wirken gegen behüllte Viren wie Grippe- oder Coronaviren, aber nicht zuverlässig gegen Noroviren.
Zahlt die Pflegekasse Desinfektionsmittel?
Ja. Hände- und Flächendesinfektionsmittel gehören zu den Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch. Die Pflegekasse übernimmt sie zusammen mit Handschuhen und Co. bis zu 42 € im Monat, ab Pflegegrad 1.
Stand: September 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder pflegefachliche Beratung.




